17.03.2010Michael Erlhoff: Design als komplexe Profession
Vor einiger Zeit erläuterte in einer öffentlichen Diskussion mit mir ein sehr wichtiger Funktionär der deutschen Architektur eine für das Design äußerst wichtige und völlig realistische Dimension. Denn, so sagte er berechtigterweise, anders als die Architektur habe das Design in den letzten 15 bis 20 Jahren sein eigenes Berufsbild völlig neu entworfen - was eben dafür gesorgt habe, dass heutzutage und auch in nächster Zukunft Designerinnen und Designer (eben im Gegensatz zu Absolventinnen und Absolventen des Architektur-Studiums) vielfältige Berufsperspektiven und Anstellungen finden würden.
Dies kann man nur unterstreichen und sollte auch allgemein deutlicher wahrgenommen werden. Denn tatsächlich - und daran hat die KISD auch international einen wesentlichen Anteil - hat das Design in den letzten zwei Jahrzehnten sehr avanciert und ebenso realistisch sich neu definiert. Wobei einige Hochschulen selbstverständlich sehr wichtig gewesen sind, und man an und für sich doch bloß auf die veränderten Anforderungen von Wirtschaft, Gesellschaft, Technik, Umwelt und Kultur reagierte.
Wichtiger Baustein dieser notwendigen Erweiterungen der Profession Design sind insbesondere:
- Service Design, eben zu begreifen, dass selbstverständlich auch Dienstleistungen gestaltbar sind und gestaltet werden müssen, zumal in jenen Gesellschaften, die mittlerweile 2/3 ihres Bruttosozialprodukts in Dienstleistung erwirtschaften und diese auch exportieren,
- Gender und Design, da allzu lange das Design - auch im Rahmen von Wirtschaft - als männliche Domäne galt und ausgeübt wurde und weibliche Wesen oder gar all die komplizierten Zwischenbereiche sozialer Geschlechter als gestaltende und als konsumierende Gruppierungen in keiner Weise ernst genommen wurden,
- Design und Wirtschaft, denn vor 18 Jahren schien sogar das Lehrgebiet „Design Management " vielen in Wirtschaft und in Design absurd - inzwischen scheint schon dies ein wenig veraltet und wird es gerade an einigen Hochschulen (mit den entsprechenden Berufsperspektiven) reformuliert,
- Design-Forschung - was derweil international aus vielen Gründen einen unglaublichen Boom erfährt und auch in Europa allmählich dazu geführt hat, dass verstärkt Unternehmen und Institutionen gerade im Design - zum Beispiel aufgrund dessen innovativem Potenzials, dessen großer Empathie-Kompetenz und dessen Vermittlung von Wirtschaft und Gesellschaft - Forschungsaufträge vergeben und sich davon eine neue Qualität der Forschung von Gebrauch, von Material und Energie und von technischen Möglichkeiten erwarten,
- Design und Produktion, denn auch im Rahmen von Logistik und von Organisation der Produktion, sowie in Bezug auf neue Materialien und neue Produktionsformen vermag das Design intelligente Fragestellungen und kluge Problemlösungen anzubieten, die eine neue und herausragende Qualität verbürgen,
- außerdem hat sich mittlerweile das Design eindrücklich in die Bereiche Gestaltung des öffentlichen Raums eingebracht - wozu auch selbstverständlich inzwischen die Gestaltung im Internet gehört: Designerinnen und Designer haben längst sehr intensiv sich in Stadtplanung und in die Möblierung der Städte qualifiziert eingemischt, aber auch objektiv dargestellt und bewiesen, dass zweifellos jeder Aspekt digitaler und vernetzter Kommunikation der professionellen Gestaltungskompetenz bedarf.
Gewiss könnte man diese Liste völlig berechtigt noch erweitern (auch in technische Bereiche der Gestaltung von Maschinen und deren Details hinein oder im Rahmen erweiterter Kommunikation und Identitäts-Bildung durch neue Zeichensysteme, aber auch durch Mode und dergleichen). Zweifellos hat mittlerweile das Design und hat partiell auch die allgemeine Öffentlichkeit und haben Unternehmen und nahezu sogar die Politik verstanden, dass nun einmal alles um uns herum und alles, was wir tun, und die Mittel, mit denen wir etwas tun, gestaltet ist und sind. Dass man demgemäß unabdingbar Design für die Gestaltung und für das Verständnis von Gestaltung braucht.
Design nämlich ist eine äußerst komplexe Qualität, die vom Beruf Design auszufüllen ist und mittlerweile auch kompetent angeboten wird.
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