13.08.2010Uta Brandes: Konventionell
(Überarbeiteter Beitrag aus: Susanne Anna/Eva Grongach (Hgg.): Generation Mode / The Fashion Generation, Schriftenreihe Stadtmuseum, Ostfildern-Ruit 2006)
Es ist ziemlich klar: Die Zukunft liegt außerhalb Europas. Auch wenn wir noch nicht ermessen können, ob und wenn ja welche Qualität sie zu bieten haben wird. Die quantitativen Fakten jedenfalls dokumentieren dies bereits heute in Form drastischer Ungleichzeitigkeiten. Vergleichen wir unterschiedliche Teile der Welt miteinander, so wird das auf den ersten Blick kenntlich: jenseits von Europa stehen die großen Prozentzahlen an erster und die sehr kleinen an zweiter Stelle: zum Beispiel Afghanistan (45%:2%), Burkina Faso (46%:3%), Bhutan (42%:4%), Ägypten (36%:5%) – diese Reihe ließe sich problemlos fortsetzen. In Europa dagegen liegen die Prozentrelationen nah beieinander, und in vielen Fällen steht die größere an erster Stelle. Italien ist davon am gravierendsten betroffen (nicht-europäisch nur noch vergleichbar mit Japan – beide Länder 14%:19%), dicht gefolgt von Spanien (14%:17%:), Deutschland (15%:17%), Portugal (16%:17%). Eine geringfügig positivere Bilanz weisen lediglich Länder wie Russland (16%:13%), Finnland (18%:16%), England oder Frankreich (je 19%:16%) auf.
An dieser Stelle sei das Zahlenrätsel aufgelöst: Es handelt sich um demographische Daten. Die jeweils erste Prozentzahl erfasst die unter 15Jährigen, und damit alle, die, großzügig ausgelegt, noch als Kinder durchgehen. Die zweite Zahl benennt alle Menschen über 65 Jahre, also die Alten. Und während die Bevölkerung in solchen wie den oben genannten außereuropäischen Ländern laut Prognose bis zum Jahr 2050 zwischen 70% und 300% zunehmen wird, schrumpfen etwa Deutschland (von 82.6 Mio. auf 75.1 Mio.), Italien (von 57.8 Mio. auf 52.3 Mio.), Russland (von 144 Mio. auf 119 Mio.) und Finnland (von 5.2 Mio. auf 4.8 Mio.).(1)
Solche Zahlen verdeutlichen auf wahrscheinlich für beide Extreme (ungestüme Verjüngung versus enorme Überalterung) erschreckende Weise, welche Probleme diese Welt erwarten. Zugleich – und damit sind wir unmittelbar beim Thema – dienen die zitierten Bevölkerungsstatistiken als Beispiel und Indikator für meine Hypothese, daß Modetendenzen jüngerer Designerinnen und Designer sich keinesfalls universell oder global, sondern radikal unterschiedlich entwickeln werden. Nicht zur Debatte stehen hier Marktstrategien großer Modeunternehmen und Brands; die funktionieren selbstverständlich global. Nike oder Adidas, Prada oder Vuitton, Chanel oder Armani, Benetton oder Esprit: die finden sich von New York bis Düsseldorf, von Moskau bis Shanghai und von Helsinki bis Dubai oder Kapstadt.(2) Im Kontext jungen Modedesigns hingegen kommen ganz andere, kulturspezifische Merkmale zum Tragen. In Rückbesinnung auf die demographischen Diskrepanzen zwischen dem „alten“ Europa und „jungen“ Ländern anderer Kontinente könnte nun der zweifellos logisch scheinende Schluß gezogen werden, dass in den „jungen“ Ländern junges Modedesign, in Europa Mode für die Älteren und Alten entworfen würde. Das ist aber keineswegs der Fall. Vielleicht wäre es übertrieben zu behaupten, es verhielte sich geradezu umgekehrt. Zumindest aber läßt sich beobachten, dass auch europäische junge Modemacherinnen und -macher eine Zielgruppe avisieren, die ihrer Generation eindeutig näher steht als jener ihrer Eltern oder gar Großeltern. Unter marktstrategischen Gesichtspunkten ist das eigentlich erstaunlich, denn womöglich ließe sich Erfolg – zumindest, was dessen ökonomische Seite betrifft – mit interessanten Angeboten für die Älteren besser und schneller erreichen. Nun könnte eingewandt werden – und da ist ja etwas Realistisches dran –, dass Mode- so wie jegliches anderes Design nur wirklich funktioniert, wenn eine einigermaßen generative Konkordanz besteht. Schlicht aus dem Grund, weil Erfahrungen, Vorstellungen, Inspirationen und Antizipationen an die eigene Alters- und damit auch Peer Group geknüpft sind. Diese Überlegung allerdings strafen wiederum alle berühmten älteren Fashion Designer Lügen – Karl Lagerfeld, Rei Kawakubo, Issey Miyake, Wolfgang Joop, Jean Paul Gaultier und wie immer sie heißen mögen, entwerfen überwiegend für eine Zielgruppe, die (weniger als) halb so alt wie sie selber ist.
Die Tendenzen, die sich im jungen europäischen Fashion Design kristallisieren, manifestieren (wenngleich nicht intentional) noch expressiver als bei den Etablierten den Tatbestand gesellschaftlicher Überalterung durch Verkehrung ins Gegenteil oder dessen Überhöhung : Auffällig sind – eben unbewusste – Formen der Verkindlichung, des Historisch-Märchenhaften oder Naturhaft-Reinen. Dies schlug sich vor einiger Zeit erstaunlich insistent und gegen andere Konzepte resistent am offensichtlichsten nieder in den weiblichen Oberteilen: eng, kurz, bauchnabelfrei Die Tops wirkten wie zu heiß gewaschen und dadurch eingelaufen oder so, als ob nicht genügend Geld vorhanden gewesen wäre, für „das Kind“ etwas Neues zu kaufen, wenn es aus dem alten Teil herausgewachsen ist. Was hier geschah, war eine Verweigerung des Konzepts „Erwachsen-Sein“: die potentiell unendliche Verlängerung von Kindheit und Pubertät – und damit verbunden die Ablehnung der Übernahme von Verantwortung, wie sie im richtigen Leben ab einem bestimmten Alter (bisher noch) droht.(3) Nun sind die nackten Bauchnabel und Hüften zwar – bis auf einige Unverbesserliche, die aber nicht mehr als cool gelten – wieder verschwunden, aber die Tendenz zur Verkindlichung findet sich durchaus noch: kleine Hängerchen, pastellfarbige T-Shirts (immer noch eng, aber mittlerweile wieder länger), Ballerina-Schühchen.
Aber auch bei den Männern, jedoch rigider eingeschränkt auf eine bestimmte Alters- und Szenegruppe (HipHop zum Beispiel), finden sich solche Kindchen-Schemata – nur mit umgekehrten Alters-Vorzeichen: Hier schlägt das Image zu, als ob der kleine Junge heimlich die Hosen und T-Shirts von seinem größeren Bruder angezogen hätte. Nun hängt der Schritt der Hose in den Kniekehlen, und das T-Shirt schlabbert über der herunter gerutschten Hose.
Und so müssen die europäischen Gesellschaften offenbar unvermeidlich mit einem wahrhaften Paradoxon leben: Eine Gesellschaft, die dabei ist, rasant zu altern und immer weniger junge Menschen zu gebären, bewundert ebenso vermessen wie sehnsüchtig und neidisch die süße Jugend. Dies macht es nicht leichter für die wenigen, die tatsächlich jung sind. Das – zugegebenermaßen etwas hysterisch überhöhte – Szenario könnte aus der Perspektive der Jungen folgendermaßen aussehen: umzingelt von missgünstigen, auf ihren Rollator gestützte alten Menschen, die ihre Jobs nicht räumen, aber alle staatlichen Gelder verzehren; Finanzierung von potentiell zwei alten durch einen jungen Menschen, obwohl letzterer doch selber tendenziell arbeitslos ist, mindestens aber freiberuflich job hopping betreiben muss; permanentes Aufpassen im öffentlichen Raum, damit die Alten nicht überfahren, angerempelt, umgeworfen werden; dementsprechende Verlangsamung des öffentlichen Verkehrs bei gleichzeitig notwendiger Beschleunigung der Arbeitsvorgänge. Ein Ende der Ungleichzeitigkeiten ist nicht abzusehen. Denn daneben und dazwischen tummeln sich zusätzlich die neuen „jungen Alten“: Die machen Abenteuerurlaub, leihen sich den iPod und iPad ihrer (wenigen) Nachkommen aus, verstopfen die Fitness-Studios, tragen hin und wieder (die Frauen zumindest) bauchnabelfreie Hemdchen und Stilettos ... undsoweiter ...:
Ist es da nicht verständlich, wenn die Jungen lieber ganz jung bleiben möchten?
Für die weibliche Perspektive deutet sich in den literarischen und filmischen Bildern von der „infantilen Frau“ und der „Kindfrau“ Ähnliches an. Und dennoch sind die beiden Imagines kontrovers besetzt: Die infantile Frau „ist als eine Version der Verknüpfung von Weiblichkeit und Kindlichkeit zu lesen ... Die infantile Frau verkörpert einen regressiven Entwurf, ein regressives Bild von Weiblichkeit, als sie eine naive, geistlose Frau darstellt, deren Denken und Handeln ebensowenig beachtet wird und ebensowenig Relevanz hat wie das der Kinder.“(4) Dagegen rekurriert die Kindfrau „gerade auf die Infragestellung der traditionellen Diskurse um die Frau und um das Kind, und um deren Vermischung oder Annäherung, die zwar nicht verschwunden, aber doch brüchig geworden sind ... Die Kindfrau erscheint als eine neuartige Fusion einer ‚neuen‘ Weiblichkeit und einer ‚neuen‘ Kindlichkeit, die nur auf der Basis einer wenigstens theoretischen oder vorgestellten Emanzipation der Frau vom Kind, des Kindes von der Frau (als Mutter), der Frau vom Mann entstehen kann.“(5) Auch für diese „Fusion“ lassen sich Fashion-Beispiele benennen: Hier dominieren dann im Gegensatz zur puren Kindlichkeit– fast ins Genre der Femme fatale hineinspielend – extrem kurze Kleider (das kindliche Moment) und extrem hohe High Heels (die große, sozusagen ebenso emanzipierte wie sexualisierte Frau).
Interessant, dass bedie Denkfiguren eindeutig weiblich konnotiert sind – für den männlichen Part sind solche „Kind“- und „fatal“-Bestimmungen nicht thematisiert. Ob – wie hier beschrieben – eher die regressive oder aber doch die partiell emanzipatorische Typologie auf die gegenwärtigen Jugend-Phänomene zutrifft, muss hier nicht entschieden werden. Es bleibt die Tatsache: Der Körper ist ebenso wichtig wie zutiefst ambivalent besetzt.
Auf der einen Seite nämlich erfährt er eine ungemeine Aufwertung bis zum Kult: Denn es ist nun nicht mehr schicksalhaft gegeben, in welchem Körper jemand steckt – und insbesondere die jungen Körper sind von dem Drang beseelt, sich expressiv abzuheben von den dicklichen, allmählich verfallenden der Alten. Nicht ausschließlich den Jungen, aber diesen in spezifischer und geradezu gnadenloser Weise, ist ihr Körper ein zu modellierendes Konstrukt geworden. Und somit besteht für jene, die es sich leisten können, die Pflicht zur guten Erhaltung (gesunde Ernährung), Verbesserung (Sport) und Ästhetisierung (Mode, kosmetische Chirurgie) des eigenen Körpers. „... nirgends äußert sich der Geschmack unmittelbarer als am eigenen Körper. Die Art und Weise, wie er gestaltet ist, wie er sich bewegt, wie er ‚spricht‘, ... schafft Distinktion und Nähe. Habitus und Körper verschmelzen im Blick des anderen.“(6)
Auf der anderen Seite wird der Körper verdrängt oder tendenziell zum Verschwinden gebracht. Verdrängt wird er da, wo er mit dem Körperkult-Image in Konflikt gerät, sich ihm nicht unterordnen läßt – dann nämlich, wenn trotz (beziehungsweise selbstverständlich wegen) des Modellierungszwangs insbesondere der junge Körper sich nicht ins Schöne, Schlanke fügen will: wenn er dick oder sogar fett ist. Und dies ist umso gewaltiger und häufiger der Fall, je unerbittlicher die schöne schlanke bis dünne Körperform gefordert ist. Dies provoziert wiederum den Wunsch nach Minimierung (bis hin eben zum Verschwinden – durch Tod): Anorexia nervosa und Boulimie waren noch nie so ausgeprägt und verbreitet wie heute. Damit verbunden gebärdet sich der humane Körper der Tendenz nach verschwindend auch deshalb, weil er sich als naturhafte Einheit aufzulösen beginnt und stattdessen mit neuen Bio- und Technologieprothesen oder virtuellen Phantasmagorien verschmilzt.
Der Körper ist Dreh- und Angelpunkt für alles, was – mehr oder minder körperfern – auf diesem aufgebracht wird. Die Auseinandersetzung mit dieser zweiten Haut ist angesichts der beschriebenen kulturellen und demographischen Entwicklungen komplementär kompliziert und widersprüchlich – so, wie die europäischen Körper es eben auch sind. Das Interface zwischen erster und zweiter Haut auf der einen und den körperlosen, medialen Prozessen der Information, Kommunikation und Virtualisierung ist noch nicht ausgelotet. Die erste Welt und in ihr vornehmlich die Jüngeren befinden sich wahrscheinlich in einer transitorischen Phase, in der die Haut und die auf ihr applizierten Hüllen Hilfskonstruktionen, „Übergangsobjekte“ (7) darstellen. Die Rekonstruktion von – überwiegend egozentrischer oder autoerotischer – Berührung zwischen dem eigenen Körper und seiner ihn umgebenden Modehülle geht einher mit der Dekonstruktion des physikalischen Körpers und seiner Neukonstruktion im virtuellen Körper. Dieses neue Haut-Paar verspricht, was der alte, reale Modekörper nicht halten konnte: Berührung, Sinnlichkeit, Ganzheitlichkeit.
Die Mode von jungen Modedesignerinnen und -designern für junge – wie sie ja gern bezeichnet werden – Fashion Victims sieht sich in Europa also großen Zumutungen und Anforderungen ausgesetzt: Wie den Weg finden zwischen Omi- und Opi-, Mama- und Papa-, Kinder-, Mädels- und Jungs-Mode!
Der Ausweg aus diesem nahezu unlösbaren Dilemma in – so ist mir aufgefallen – insbesondere westeuropäischen Ländern scheint im Trend des Konventionellen zu liegen. Denn wenn einerseits die Insignien (wie Hipsters, bauchnabelfreie T-Shirts und nur unter dem Busen geknöpfte Blusen) und Brands der als jung geltenden Mode von den Älteren heimgesucht und -geholt werden, andererseits die junge Klientel vom Aussterben bedroht ist und die alten Alten als Zielgruppe ohnehin nicht in Frage kommen, dann bleibt als Ausweg vielleicht tatsächlich nur die Flucht – nicht nach vorn, sondern – in Konventionalität. Denn die ist angesichts der entworfenen Szenarien und eingedenk der gegenwärtig noch transitorischen, passageren Phase des Dazwischen wahrscheinlich das Radikalste, das aktuelles Modedesign entwerfen kann. Die Regeln des Umgangs miteinander – also die gesellschaftliche Konvention – sind brüchig, diffus, verwischt geworden. Soziales Verhalten wird eher in unterschiedlichen communities gelebt als noch gesellschaftliche Verbindlichkeiten zu definieren. Wobei diese parzellierten Kleingemeinschaften Paralleluniversen bilden, zwischen denen je nach Aktivität oder Stimmung hin- und her- gewechselt wird. Und da ist durchaus verständlich, wenn das Konventionelle zum Ungewöhnlichen, zum Neuen geadelt wird. In einer disparaten Gesellschaft der Widersprüche und Generationenkonflikte führt Konvention, in seiner wörtlichen Bedeutung, zu innovativen Verträgen und Übereinkünften: „Generation Mode“ versammelt sich zu einem Konvent, in dem jene tagen, denen die Konvention konveniert – die ihr zusagt, zugleich passend für diese Gruppe gemacht als auch abgrenzend sich verhält gegen die sich ausbreitenden älteren Populationen. Dass im Konventionellen möglicherweise eine Art Sprengkraft verborgen sein kann, wird etwa deutlich, wenn der radikale Dadaist (und der Dadaismus wurde zweifellos immer für eindeutig unkonventionell gehalten) Raoul Hausmann 1922 ein „Lob des Konventionellen“ schreibt: „Unsere (modernen) Häuser sind scheußlich, sagen Sie? Gewiß, sie sind konventionell, aber mehr wünsche ich nicht; ich liebe und habe konventionelle Möbel, es wäre wohl interessant, andere zu haben, aber es muß doch nun einmal nicht alles interessant sein. ... Ich bin so konventionell, daß ich für die Gotik verdorben bin. Für alles Interessante bin ich verdorben, denn ich frage zuerst nach seinem praktischen Sinn. Ich bin gegen ... alle Versuche, das praktische Leben interessant zu machen, es geistig aufzupolieren: ich bin für jederlei alten oder neuen Expressionismus zu konventionell. ... Ich trete für die konventionelle Phantasie ein, die des Maurers oder des Friseurs, in denen die Selbstverständlichkeit liegt, die die Zeit beeinflußt.“(8) Das Selbstverständliche an dieser konventionellen Phantasie ist das, was Selbstbewusstsein verheißt, das es nicht nötig hat, sich mit hysterischen Hypes zu verschwistern oder zu verbrüdern, denn die sind ja in der Gegenwart viel gewohnt-gewöhnlicher als das Konventionelle.
Die europäische „Generation Mode“ zeigt dieses Konventionelle in einem durchaus breiten Spektrum erlesener oder naturhaften Materialien und Formen, tragbarer oder braver Tops und „fruchtbaren“ Accessoires. Und wird das auf die Spitze getrieben, dann erscheinen Anklänge an die Mode des Biedermeier der 1870er/1880er Jahre.
Insgesamt balanciert das Design der „Generation Mode“ auf schmalem Grat zwischen selbstverständlich-radikalem Konventionellen und biederlicher Konvention. Hoffen wir, daß die erste Variante sich durchsetzt. Gerade im männlichen Modedesign hat sich etwas getan, so dass Raoul Hausmanns Eindruck, wenn auch nur für die wenigen Jungen, partiell korrigiert werden kann: „Daß der Deutsche beim Militär war, wird man sehen, nicht aber, daß er sich bewegen kann. ... Vor allem ihm gesagt: Mode ist kein Blödsinn, Mode ist die sichtbar gemachte Körperfunktion – und angezogen sein, heißt ein Körperbewußtsein haben. ... Aber man sieht Frauen mit Körperbewußtsein ... sie sind der einzige Gegenpol zur deutschen Innerlichkeit, die in Quadratlatschen und Bierbäuchen ihren höchsten Ausdruck findet.“(9)
Anmerkungen:
1. Deutsche Stiftung Weltbevölkerung: DSW-Datenreport 2004, dsw-online.de
2. Wobei die Frage der Globalisierung etwa durch Brands in gewisser Weise unter falscher Perspektive gestellt wird: Zwar sind die Marken überall bekannt und (fast) überall zu kaufen. Viel wichtiger aber ist,
daß symbolische Bedeutung und die Art des Gebrauchs sehr wohl kulturelle Unterschiede aufweisen. Ein
Beispiel: Espresso, ursprünglich Inkarnation italienischer Kultur, gibt es mittlerweile in allen Städten
dieser Welt. Wie dieses Getränk allerdings genossen wird und welche Aura es umgibt (von normal-
alltäglich bis außergewöhnlich-extravagant reicht das Spektrum), differiert kulturell und geographisch
vollkommen.
3. Nicht unversehens, dass in einer außereuropäischen Gesellschaft, die die gleichen demographischen
Probleme plagt wie die am meisten überalterten europäischen, nämlich Japan, in der Jugendsubkultur
des „kawai“ oder „cutie style“ sich noch weit radikalere Verweigerungsstrategien als in Europa Ausdruck
verschaffen. – Vgl. auch Robert Bly: Die kindliche Gesellschaft, München 1997; Frank Schirrmacher:
Das Methusalem-Komplott, München 2004.
4. Andrea Bramberger: Die KindFrau, München 2000, S. 145.
5. Ebd., S. 147.
6. Gabriele Klein: Der Körper als Erfindung. In: Gero von Randow (Hg.): Wie viel Körper braucht der Mensch, Hamburg 2001, S. 61. – Vgl. auch Pierre Bourdieu: Sozialer Sinn, Frankfurt a. M. 1987, und
ders.: Die feinen Unterschiede, Frankfurt a. M. 1987.
7. Vgl. D. W. Winnicotts Begriff des Übergangsobjekts; z. B.: Übergangsobjekte und Übergangsphänomene.
In: Psyche (Zs), H.9/1969.
8. Raoul Hausmann: Lob des Konventionellen. In: Michael Erlhoff (Hg.): Raoul Hausmann – Sieg Triumph
Tabak mit Bohnen, Texte bis 1933, München 1982, Bd. 2, S. 48 f.
9. Ders.: Mode. In: ebd., S. 103 f.
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