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Copy and the Duplicates

Ende der 1970er Jahre existierte in Florenz ein autonomer Radiosender namens „Contro Radio“, der einige Male Uta Brandes und Michael Erlhoff zu Interviews in Florenz einlud. – Übrigens ein damals wirklich sehr spannender Radiosender, der nachts merkwürdige Töne sendete, die tatsächlich Computer-Programme waren und man einfach herunterladen konnte, also das Programm nicht kaufen musste.

Um 1980 nun erhielten Uta Brandes und Michael Erlhoff von diesem Sender überraschend die Einladung, im Rahmen eines neuen Programms „artist music“ einfach eine 60-minütige Sendung einzuliefern. Nun betrachteten beide sich keineswegs als Künstlerinnen und Künstler, gleichwohl stellte diese Einladung eine Herausforderung dar, etwas zu tun.

So beschlossen sie, einfach jene von den fünfziger Jahren an denkwürdige deutsche Italien-Begeisterung auch in Schlagern aufzunehmen und diese – seriös geworden durch Dilettantismus – zu singen. Dafür baten beide noch zwei andere Menschen (die Namen sind leider verloren gegangen), dies mitzumachen, denn erst mindestens vier Personen produzieren akustische Größe.

Die beiden Menschen wurden gefunden, man gab sich jenen oben genannten Namen, produzierte dazu ein entsprechendes Foto quasi als Plakat, sang jene Schlager, schickte dies nach Florenz – und erfuhr, das diese Aufnahmen genau so, wie sie produziert waren, gesendet wurden.

Fast hätte sich aus dieser Aktion sogar für alle vier Beteiligten eine völlig neue Karriere ergeben können, denn einer von ihnen schickte die gesamte Aufnahme zu dem damals stattfindenden „Theater der Welt“, das einen Aufruf veröffentlicht hatte, sogenannte Kleinkunst-Gruppen sollten sich bewerben. Tatsächlich wurde „Copy and the Duplicates“ eingeladen, zur Eröffnung dem ZDF um 20:15 Uhr abwechselnd zu einer italienischen Folkloregruppe aufzutreten. – Leider jedoch teilte man einige Wochen später mit, das gesamte „Italien-Bild“ sei aus Kostengründen nun gestrichen.

Diese Karriere fand also nicht statt.