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Das Essen ist die Fortsetzung der Sprache mit anderen Mitteln

Sprache bildet sich rein materiell in der Kehle, mit der Zunge und durch den Mund und Rachen. Genauso wie das Essen, nur wird dieses nicht geäußert, sondern verinnerlicht. Aber das Essen ist ebenfalls eine Grammatik – in der westlichen Kultur Regeln, die erst am Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Die Kombinationen von dem, was man isst, bilden sich wie Poesie aus der Assoziation unterschiedlicher Gedanken oder Geschmäcker.

Der österreichische Schriftsteller Ferdinand Schmatz hat das offensichtlich sehr geschmackvoll artikuliert, und völlig berechtigt schrieb einst der Hamburger Dichter Schuldt einen wunderbaren fiktiven ethnographischen Text, in dem Menschen eines bestimmten Kulturkreises miteinander lediglich dadurch redeten, was sie jeweils aßen. Also jenes Kraut mit dieser Geste in den Mund stecken, bedeutete ein Wort, eine Redewendung. Und als ein Leipziger Professor für Anthropologie einst diese Kultur besuchte, war bald eine spezielle Beere ausgegangen: Sie hieß „wie bitte?“.

 

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