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Der Körper ist der Attentäter des Geistes.

Der Genitiv dieses vermeintlich so eindeutigen Satzes ist nicht eindeutig. Denn man könnte ihn – und das entspräche dem allgemeinen Bild von Friedrich Schiller – so verstehen, dass der Körper fortwährend oder zumindest gelegentlich den Geist angreift. Was wir doch alle kennen, sind es ja wesentlich die körperlichen Schwächen, die unser Denkvermögen einschränken oder verwirren. Das geschieht in der Kindheit ebenso wie im Alter oder auch dazwischen, ist körperlicher Müdigkeit, Behinderung und Abbau der Kräfte geschuldet – und wahrlich nicht angenehm, führt eher zur ständigen Gegenwehr und zu mehr oder minder verzweifelten Versuchen, den Geist vom Körper zu befreien.

Man könnte – wahrscheinlich fern von Friedrich Schiller – die Aussage so verstehen, dass der Körper die Waffe des Geistes sei. Ziemlich plausibel, da im alltäglichen Leben gelegentlich der Geist dem Körper befiehlt, er möge zuschlagen, irgendetwas an die Wand werfen oder auf den Tisch hauen. Also ein Ausdruck der beschränkten Macht des Geistes gegenüber der Außenwelt, da es ihm offensichtlich nicht immer gelingt, seine Aggressionen oder seine Wut angemessen oder zurückhaltend zu artikulieren.

Zugegeben, diese zweite Version ist nicht schön. Doch die erste stimmt auch nicht gerade hoffnungsvoll.

 

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