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Heute ist Morgen

Heute ist Morgen, Ausstellung Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 2000.
Kurator: Michael Erlhoff
Beratung: Hans Ulrich Reck.
Ausstellungsarchitektur: Zamp Kelp
Projektleitung: Jutta Frings

Über die Zukunft von Erfahrung und Konstruktion

Denken ist gewiss a priori unansehnlich – und schafft doch Bilder, äußert
Vorschläge, vergewissert und irritiert, ermöglicht Ausweitungen und
Verdichtungen, erzwingt Verschiebungen. Es führt kein Weg daran
vorbei, sich zu äußern.
Immer wieder gab es deshalb Versuche, Modelle des Denkens zu
formulieren und das an und für sich Unscheinbare und Unsichtbare zu
veranschaulichen. Hegel, Schopenhauer, Darwin oder Freud mühten
sich ebenso darum wie viele Entdecker chemischer, physikalischer oder
biologischer, mathematischer oder geodätischer Prozesse.
Ungewiss bleibt natürlich weiterhin, ob Denken wirklich ausgestellt, der
blinde Fleck als solcher sichtbar gemacht werden kann. Es kommt, wie
im Prozess der Wissenschaften und Künste, immer wieder einzig auf den
Versuch an.
Für die Ausstellung “Heute ist Morgen” ist dieser Versuch
unternommen, sind einige der vielleicht anregendsten
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unserer Zeit aus
unterschiedlichen Kulturen eingeladen worden, ihre Modelle vom
Denken auszustellen. Sichtbar gemacht werden also nicht in erster Linie
die Gedanken (Befunde, Erkenntnisse) über die Welt als vielmehr die
Modelle und Sichtweisen, die das jeweilige Denken über die Welt
lenken, steuern, auch verführen und zuweilen gar abdriften lassen.
Die Selbstdarstellung der Hintergrundannahmen, Sichtweisen,
Fluchtlinien, Orientierungsmarken, Leitplanken, Pfade zum
Wesentlichen – unterhalb von Ruhm, Macht und Neugierde erzählt sie
von einer Geschichte, die von der ‘natürlichen Einbildungskraft’ und
ihrer notwendigen Inszenierung für und durch den Menschen handelt.
Im Denken über das Wirkliche verbindet sich mit dem entdeckten
Objektiven der Welt und der Konstruktion unserer Erfahrungen immer
auch eine Ästhetik der Inszenierung und des Artifiziellen. Aspekte und
Inszenierungen brechen sich im Wissen um das Künstliche ihre Bahn seit
je nicht selten hinter dem Rücken der Urheber.
In aller Behutsamkeit und mit drängender Wucht, in zwangsläufiger
Vereinfachung und großer Komplexität, geheimnisvoll und offenkundig,
ausdrücklich und eindringlich zugleich möchte dieses Zeigen des
Denkens über die Welt in der Darbietung seiner Modelle einen
Ausdruck finden, in denen es sich der Welt versichert mittels
Hypothesen und Schlussfolgerungen, Anmutungen und Zumutungen.
Und vielem mehr…

Auf dass die Besucherinnen und Besucher etwas davon erfahren mögen,
wo und wie Denken sich gegenwärtig bewegt und welche Perspektiven
ihm innewohnen.

Michael Erlhoff/ Hans Ulrich Reck, 8. 11. 2000

Weitere Bilder zur Ausstellung bei Flickr.

 

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