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Ich schreibe für mich und Fremde.

Gertrude Stein

So sehr man sich schreibend einbilden mag, man schreibe stets für andere oder für bestimmte Vorgänge und Angelegenheiten, so sehr irrt man in diesem Gedanken. Denn die Motivation zu schreiben entspricht zuallererst stets einem fast schon als privat zu bezeichnendem Anlass: Der Wunsch, sich mitzuteilen, durch das Geschriebene aufzufallen, gar berühmt zu werden oder die Gedankenfülle aus dem Kopf herauskriegen, um wieder befreit denken zu können, und viele andere Gründe. Und wenn man nun geschrieben hat, möchte man unbedingt, dass andere dies lesen. Denn unveröffentlichte Tagebücher taugen nicht lange für das eigene Selbstbewusstsein – außer, es besteht die Chance (oder zumindest die Hoffnung) auf eine spätere Publikation im Nachlass

Gertrude Stein ist dagegen nicht nur eine brillante Schriftstellerin, sondern sowohl ehrlich genug, das Für-sich-Selbst-Schreiben unbekümmert zuzugeben, als auch klug genug, als zweiten Grund „Fremde“, statt eitel das Publikum oder die Leser*innen, anzugeben. Für Fremde zu schreiben, ist anonym, formuliert lässiges Desinteresse – und ist schlichtweg ehrlich.

 

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