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Nun hat das Gewächshaus sich selbst überboten und ist zur Kathedrale geworden.

Henry Talbot Fox

Er notierte dies 1851 anlässlich der Eröffnung von Paxton’s „Crystal Palace“ und beschrieb damit den Beginn jener erstaunlichen Entwicklung von urbanen Gewächshäusern zu den großen Warenhäusern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Denn die Gewächshäuser in London wurden ursprünglich errichtet, um die Macht des Kolonialismus u.a. dadurch zu demonstrieren, dass man exotische Pflanzen wie beispielsweise Palmen aus den kolonisierten fremden Ländern in die Metropole holte und triumphalistisch aufstellte. Allerdings wurde aufgrund des völlig anderen Londoner Klimas ein geschützter Raum für diese „Exoten“ benötigt – selbstverständlich aus Glas, denn die Pflanzen sollten prominent sichtbar sein. Der nächste Schritt war, dass die Menschen sich gerne jener Pflanzen und Bäume, eben zum Beispiel einer Palme, nähern wollten. Also schuf man größere Glaskästen mitsamt einer Eintrittstür und möglichst noch einer Bank, um in Ruhe dort sitzen und die fremde Flora betrachten zu können.

Man ahnt die weitere Entwicklung: Die Räume wurden erweitert, zusätzliche Pflanzen kamen hinein, noch mehr Menschen hinzu – und dann hätte man dort auch gerne einen Tee oder Kaffee getrunken und etwas gegessen oder auch etwas gekauft. Immer unter dem Blickwinkel der exotischen Präsenz jener Pflanzen.

Der Schritt von dort zum Warenhaus (damals hießen die Kauf- allesamt Warenhäuser) mit seinen riesigen Glasfassaden war sehr nah: Die erste Vollendung eines Warenhauses mit den unterschiedlichsten Produkten unter einem Dach fand sich nur ein Jahr später, 1852, in Paris mit „Le bon marché“, wo jener berühmte Städteplaner und Staatsbeamte Haussmann die Straßen (auch für Polizei und Militär) großzügig verbreiten und die alten Viertel mit ihren verwinkelten nicht-geometrischen Gassen zerstören ließ. Und dann strahlten an den neuen Boulevards die gläsernen Warenhäuser, Kathedralen des kapitalistischen Handels.

 

 

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