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›Sinn‹ nämlich ist dies wunderbare Wort, welches selber in zwei entgegengesetzten Bedeutungen gebraucht wird. Einmal bezeichnet es die Organe der unmittelbaren Auffassung, das andere Mal aber heißen wir Sinn: die Bedeutung, den Gedanken, das Allgemeine der Sache. Und so bezieht sich der Sinn einerseits auf das unmittelbar Äußerliche der Existenz, andererseits auf das innere Wesen derselben.

Nicht ganz zufällig sind es gerade die Vorlesungen über die Ästhetik, in denen Hegel hier (oder vielleicht vielmehr sein ehemaliger Schüler Heinrich Gustav Hotho, der diese Vorlesungen nach Hegels Tod anhand von fragmentarischen Notizen und Mitschriften erst zu ihrer heute vorliegenden Textform aufarbeitete), in einem eher der ergänzenden Bebilderung als der begrifflich-systematischen Ausführung zuzurechnenden Nebengedanken, auf jene bedenkenswerte Eigentümlichkeit des Wortes »Sinn« aufmerksam macht. Die auf eine verdeckte ursprüngliche Gemeinsamkeit dessen beider gegensätzlicher Bedeutungen verweisende Identität des sprachlichen Ausdrucks vermag nämlich gleichsam modellhaft für eine Kernidee der hegelschen Theorie des (Kunst-)Schönen einzustehen: Das Schöne sei dasjenige, dessen Begriff, dessen inneres Wesen sich in seinem äußeren Dasein in unmittelbarer Übereinstimmung sinnlich wahrnehmbar realisiere.

(ausgewählt und kommentiert von Marc Pfaff)

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