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Wissenschaft

Konventionelle positivistische Wissenschaft muss angeblich:

  • nachvollziehbar (überprüfbar) sein (Fragestellung ausweisen und begründen, Quellenangaben, Daten, Prozessnachvollzug …)
  •  reproduzierbar sein
  • darlegen, welcher Wissenschafts-Ansatz zugrunde gelegt wurde
  • nicht notwendig originell/originär sein

Die weitgehend euphorische Akzeptanz von Wissenschaft als substantieller, gar „objektiver“, auf Fakten gegründeter gesellschaftlicher Aktivität beruht auf dem Missverständnis: Wissenschaft würde Wissen schaffen.

Dabei wird einfach übersehen, dass dieses „Schaffen“ keineswegs die Produktion von Wissen bezeichnet, sondern dessen Zurichtung. So, wie beispielsweise das Wort „Landschaft“ davon kündet, Land zu schaffen, zu kultivieren, es also – vielleicht gemäß Kapitalinteressen – interessensgebunden zu formen. Schnell kenntlich wird dies in der englischen Version von Landschaft: “landscape“, denn in dem „scape“ steckt genau die Gestaltung von etwas. – Vergleichbar der Herrschaft, die hier nicht Herren produziert, vielmehr Macht artikuliert, geschaffen durch die Herren, die nur durch ihren Gegensatz, den Knecht oder Untertan, zu solchen werden konnten.

Somit taugt Wissenschaft lediglich dazu, sich historisch zu vergegenwärtigen, welche Interessen zu welcher Zeit und auch derzeit etwas einrichten, was sie „Wissen“ nennen.

Ein kurzer Blick in die Geschichte: Erstaunlich ist, dass, bevor sich der moderne Wissenschaftsbegriff im 19. Jahrhundert endgültig durchsetzte, die deutsche Begriff „Wissenschaft“ im Sinne von subjektivem Wissen verwendet wurde, also eher der Meinung ähnelte.

Platon definierte, knapp erläutert, Wissen als unterschieden von der bloßen Meinung. Für ihn stand ‚episteme” (Erkennen, Wissen) für das Erkennen des Seienden, der Wirklichkeit, bei ihm als Ideen verstanden. Diesem theoretischen Wissen (im Gegensatz zu techne, dem praktischen Können) gesellt sich „doxa” zur Seite, die Meinung. Sie richtet sich auf etwas Dazwischenliegendes, das ständig zwischen Sein und Nicht-Sein pendelt. Insofern ist doxa zwar unbestimmter, dunkler als episteme, aber doch „heller“ als agnoia, das Nichtwissen.

Da ist Kant noch viel apodiktischer: „Eigentliche Wissenschaft kann nur diejenige genannt werden, deren Gewißheit apodiktisch ist.“

 

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